100 Seemeilen in einem Rutsch

Vor zwei Jahren hatten wir Zeit. Wir, das sind FRIEDA, Susan und Uli. Ein Sabbatjahr lieferte mehr Zeit zum Segeln auf der Ostsee als gewöhnlich. Und so hatten wir neun Wochen am Stück mit der FRIEDA, einer Finngulf 391, Baujahr 1991. Ergebnis: 1.500 Seemeilen, rund 2.500 Km auf der Ostsee, dem nahezu schönsten Segelrevier der Welt.
FRIEDA, die „Dame“, lässt sich zügig segeln, erwartet aber etwas Einsatz beim Segel- und Masttrimmen. Der weiche, biegsame Mast wird achterlich über Achterstag und jeweils zwei Back- und Checkstagen in Form gebracht. Letztere sind bei den Manövern von Steuerfrau oder -mann zu bedienen, das Nachtrimmen übernimmt der Vorschoter. Große Freude bereitet uns die FRIEDA dann allerdings, denn sie springt schnell an und erreicht eine gute Geschwindigkeit. Der nachfolgende Bericht über den Törn von Klintholm nach Rönne sollte dies wieder einmal unter Beweis stellen.

Susan und Uli

FRIEDA am Anker

"Gennakern" vor Laboe

Die erste Segelwoche Mitte Juli 2018 war allerdings „außerhalb der Reihe“, quasi zum Anwärmen. Einmal Helgoland und zurück mit der Passage durch den Nord-Ostseekanal wollten wir einmal gemacht haben. Danach startete der Ostseetörn.

Tag 1: Laboe bis Omö - Tag 2: Omö bis Klintholm - Tag 3: Klintholm bis Rönne

Die ersten 3 Tage:
Wir starteten am Dienstag, den 17. Juli in Laboe und fuhren gemütlich durch Teile der dänischen Südsee (Marstal, Strynö, Rudköping) an Langeland vorbei bis Omö im Smalandsfahrwasser. Ein sicherer Ankergrund mit Abdeckung gegen den Westwind und ein traumhafter Sonnenuntergang rundeten den gemütlichen Segeltag ab. Der Folgetag führte uns bis Klintholm/Mön, wo wir im etwas überfüllten Hafen dennoch Platz fanden.
Da wir die fast 100 Seemeilen von Klintholm (Mön) nach Rönne (Bornholm) möglichst „in einem Rutsch“ und zügig machen wollten, waren wir über die stabile Westwindlage natürlich froh.
Am Donnerstag, 19. Juli um 4:40, zum Sonnenaufgang, legten wir ab und hatten bald querab die sonnenbeschienenen Kreidefelsen.

Kreidefelsen bei Sonnenaufgang

Windparks ohne Ende

Viel Zeit zum Genießen gab es allerdings nicht. Der Wind lag bereits jetzt bei fast 20 Knoten, die Welle kam schräg achterlich und schob uns wahlweise an oder unter uns durch. Das erste Reff ging ins 40 m² Großsegel, die Rollgenua wurde etwas verkleinert bei mittlerweile 25 Knoten Wind zunehmend. Durch das weit gefierte Großsegel wurde die Genua schlecht vom Wind angeströmt, sie flatterte und schlug bei jeder durchlaufenden Welle. Materialschonend geht anders, also wurde sie weiter verkleinert bis Ruhe war. Das erste Reff im Großsegel leistete den gewünschten Vortrieb auch alleine und glücklicherweise nahm der Wind noch weiter zu, im Mittel waren es 33 Knoten. So wurde die FRIEDA mit 7.5-8.5 Knoten für die kommenden 8 Stunden vorangetrieben.

Ein paar „Tanker“ schoben sich an uns vorbei. Die 2-3 m hohen Wellen werden zu riesigen Bugfontänen geteilt

Wir hatten es besser. Zwar kamen die Wellen schräg achterlich und mussten stetig ausgesteuert werden. Aber dafür schoben sie uns doch regelmäßig etwas schneller voran, als es der Wind alleine geschafft hätte. 10,60 Maximumspeed und für die 13 Stunden Fahrt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,65 Knoten waren das Ergebnis (Ablegen und Anlegen incl.).

Mit perfekt stehenden Segeln kommen wir gut voran

Nach gut 8 Stunden Fahrt erahnten wir am Horizont Bornholm. Der Wind nahm etwas ab, die Sonne vertrieb die zuweilen leichte Wolkendecke, sodass wir genüsslich in Richtung Rönne segeln konnten.
Wie immer ist es ein gigantisch schönes Gefühl „Land in Sicht“ zu bekommen und selbst nach Kurztripps ist die Freude groß, wenn ein Ziel aus dem Meer auftaucht.

Hafeneinfahrt von Rönne

Doppelrumpf-Schnellfähren u.a. aus Aarhus kommend

Mit viel Glück fanden wir nach ausgiebiger Hafenrundfahrt in einem alten Mini-Yachthafen zwischen den großen Hafenanlagen einen kuscheligen Platz.

Sonnenuntergang im Hafen von Rönne

Fazit:
Ankunft am Donnerstag gegen 17:30 und 97.5 Seemeilen zurückgelegt.

Text: Uli Pöhlmann

Fotos: Uli Pöhlmann