OSL im April 2021

Liebe Leser der aktuellen OSL-Informationen!

Während ihr diesen Bericht lest, sind wir vom Vorstand wahrscheinlich mitten drin in der Auswertung der Stimmzettel unserer diesjährigen „Schriftlichen Jahreshauptversammlung“ – wenn wie erhofft tatsächlich mehr als die Hälfte unserer Mitglieder die Bögen zurückgeschickt hat (wir berichteten in der März-Ausgabe dieses Gemeindeblattes). Ob das tatsächlich geklappt hat, stand zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Ausgabe noch nicht fest, aber die Hoffnung hält bekanntlich am längsten durch.

Wenn alles wie erwartet gelaufen ist, werden wir in der Mai-Ausgabe über die Ergebnisse unserer besonderen JHV 2021 berichten.

Bis dahin schön gesund bleiben, mit AHA+L, Schnelltests und Impfungen!

Maritime Grüße,

Jens Zywitza
1. Vorsitzender

Blick achteraus

In den letzten Jahren haben wir in unseren monatlichen Beiträgen immer über Themen aus dem Vereinsleben berichten können. Aus bekannten Gründen muss dieses Vereinsleben seit fast einem Jahr ruhen. Nun haben wir das Glück, dass unsere Skipper eingesprungen sind und uns allmonatlich mit interessanten Berichten aus ihren Logbüchern versorgen. Im Sommer 2018 haben sich unsere Skipper Susan und Uli mit ihrer Yacht FRIEDA etwas ganz Besonderes vorgenommen. „Vor 2 Jahren hatten wir Zeit.“

Wir, das sind Susan, Uli und FRIEDA

Ein Sabbatjahr lieferte mehr Zeit zum Segeln auf der Ostsee als gewöhnlich. Wir wollten und fuhren von Kiel über Stockholm zu den finnischen Alandinseln und dann zurück durch den Götakanal, über Göteborg, das Kattegat und die Dänische Südsee nach Kiel. Und so hatten wir neun Wochen am Stück mit der FRIEDA, einer Finngulf 391, Baujahr 1991. Ergebnis: 1500 Seemeilen, rund 2.500 Km auf der Ostsee, dem nahezu schönsten Segelrevier der Welt.

FRIEDA, die „Dame“

FRIEDA lässt sich zügig segeln, erwartet aber etwas Einsatz beim Segel- und Masttrimmen. Der weiche, biegsame Mast wird achterlich über Achterstag und jeweils zwei Back- und Checkstagen in Form gebracht. Letztere sind bei den Manövern von Steuerfrau oder -mann zu bedienen, das Nachtrimmen übernimmt der Vorschoter.
Große Freude bereitet uns die FRIEDA dann allerdings, denn sie springt schnell an und erreicht eine gute Geschwindigkeit. Der nachfolgende Bericht, u.a. über den Törn von Klintholm nach Rönne, sollte dies wieder einmal unter Beweis stellen. In der Ausgabe 02/2021 haben wir bereits über die 2. Etappe von Rönne auf Bornholm nach Utklippan - Schwedens süd-östlichster Inselgruppe – berichtet.

Aus redaktionellen Gründen konnten wir hier noch nichts über die 1. Etappe von Laboe nach Rönne schreiben, was wir jetzt aber nachholen möchten.

100 Seemeilen in einem Rutsch

Die erste Segelwoche Mitte Juli 2018 war allerdings „außerhalb der Reihe“, quasi zum Anwärmen. Einmal Helgoland und zurück mit der Passage durch den Nord-Ostseekanal, wollten wir einmal gemacht haben. Danach startete der Ostseetörn.

Unsere Route von Laboe bis Bornholm

Die ersten 3 Tage:
Wir starteten am Dienstag, den 17. Juli in Laboe und fuhren gemütlich durch Teile der dänischen Südsee (Marstal, Strynö, Rudköping) an Langeland vorbei bis Omö im Smalandsfahrwasser. Ein sicherer Ankergrund mit Abdeckung gegen den Westwind und ein traumhafter Sonnenuntergang rundeten den gemütlichen Segeltag ab.
Der Folgetag führte uns bis Klintholm/Mön, wo wir im etwas überfüllten Hafen dennoch Platz fanden.
Da wir die fast 100 Seemeilen von Klintholm (Mön) nach Rönne (Bornholm) möglichst „in einem Rutsch“ und zügig machen wollten, waren wir über die stabile Westwindlage natürlich froh.

Kreidefelsen bei Sonnenaufgang

Am Donnerstag, 19. Juli um 4:40 Uhr, zum Sonnenaufgang, legten wir ab und hatten bald querab die sonnenbeschienenen Kreidefelsen.
Viel Zeit zum Genießen gab es allerdings nicht. Der Wind lag bereits jetzt bei fast 20 Knoten, die Welle kam schräg achterlich und schob sich wahlweise an oder unter uns durch. Das erste Reff ging ins 40 m² Großsegel, die Rollgenua wurde etwas verkleinert bei mittlerweile 25 Knoten Wind zunehmend. Durch das weit gefierte Großsegel wurde die Genua schlecht vom Wind angeströmt, sie flatterte und schlug bei jeder durchlaufenden Welle. Materialschonend geht anders, also wurde sie weiter verkleinert bis Ruhe war.

Windparks ohne Ende

Das erste Reff im Großsegel leistete den gewünschten Vortrieb auch alleine und glücklicherweise nahm der Wind noch weiter zu, im Mittel waren es 33 Knoten. So wurde die FRIEDA mit 7.5-8.5 Knoten für die kommenden acht Stunden vorangetrieben.

Ein paar „Tanker“ schoben sich an uns vorbei. Die 2-3 m hohen Wellen werden zu riesigen Bugfontänen geteilt

Wir hatten es besser. Zwar kamen die Wellen schräg achterlich und mussten stetig ausgesteuert werden. Aber dafür schoben sie uns doch regelmäßig etwas schneller voran, als es der Wind alleine geschafft hätte. 10,6 Knoten Maximum-speed und für die 13 Stunden Fahrt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,65 Knoten waren das Ergebnis (Ablegen und Anlegen inklusive).

Abendstimmung mit Spinnaker

Nach gut acht Stunden Fahrt erahnten wir am Horizont Bornholm. Der Wind nahm etwas ab, die Sonne vertrieb die zuweilen leichte Wolkendecke, sodass wir genüsslich in Richtung Rönne segeln konnten.

Hafeneinfahrt in Rönne

Wie immer ist es ein gigantisch schönes Gefühl „Land in Sicht“ zu bekommen und selbst nach Kurztrips ist die Freude groß, wenn ein Ziel aus dem Meer auftaucht.
Mit viel Glück fanden wir nach ausgiebiger Hafenrundfahrt in einem alten Mini-Yachthafen zwischen den großen Hafenanlagen einen kuscheligen Platz.

Sonnenuntergang im Hafen von Rönne

Fazit:

Ankunft am Donnerstag gegen 17:30, d.h.in knapp 13 Stunden heben wir rund 97.5 Seemeilen zurückgelegt.
Wie anfangs erwähnt, über die zweite Etappe von Rönne nach Utklippan haben wir bereits berichtet.

Demnächst schauen wir wieder ins Logbuch und schildern die Erlebnisse von Utklippan über Kalmar nach Oskarshamm.
Es ist ein Törn durch den Kalmarsund, einer Meerenge zwischen Smarland (Ostschwedens Festland) und der Insel Öland.

Text und Fotos: Ulrich Pöhlmann und Susan Luckwaldt

Zusammenfassung: Heinz Bisping