OSL im Juli 2020

Liebe Leser der aktuellen OSL-Informationen!

Was liegt an

Als wir diesen Bericht geschrieben haben, war es Mitte Juni und noch nicht absehbar, wie sich die Corona-Situation entwickeln wird. Zum jetzigen Zeitpunkt waren bis ca. Ende Juni keine offiziellen Veranstaltungen im und am OSL-Vereinsheim geplant. Auch für Einzel- und Gruppenaktionen sollte es geschlossen bleiben. Sollten sich in der Zwischenzeit Änderungen ergeben, werden wir durch einen Aushang am Fenster des Vereinsheims, auf unserer Homepage und per E-Mail an die OSL-Mitglieder informieren.

Blick achteraus

Unser Bericht in Laboe aktuell 06/20, in dem unser 1. Takelmeister Detlef Bahr die Restaurierung unserer klassischen Yacht RAV ausführlich beschreibt, hat vielleicht auch das Interesse einiger Hobby-Restaurateure aus Laboe und der näheren Umgebung geweckt. Vielleicht haben ja handwerklich begabte Leser*innen Lust und Zeit, sich am Sonnabendvormittag ab 11 Uhr im OSL-Rettungsschuppen am Hafenpavillon mal mit Detlef in Verbindung zu setzen und sich aufklären lassen, was zur Zeit ansteht. Die RAV ist zwar fertig, aber an unserem Folkeboot, der DOMINO gibt es noch viele interessante Arbeiten.

Privates, maritimes Museum in Laboe

Es war Mitte der 60-er Jahre, als Kurt Fleischfresser mit dem Sammeln maritimer Gegenstände begonnen hat. Alles was Kapitäne in der damaligen Zeit von ihren Fahrten auf See mitgebracht haben, konnte Kurt für seine Sammlung gebrauchen und hat sie ausgestellt.

Kurt Fleischfresser im Sommer 1971 als Hafenmeister in Laboe

Als er dann im Jahr 2000 verstarb, hat sein Sohn Karl-Christian (genannt Kalli) alles übernommen und auf heimischem Grund das heutige Schifffahrts- und Fischereimuseum gegründet. Im Laufe der Jahre sind immer mehr Gegenstände dazu gekommen, so dass man heute nicht mehr weiß, wo man zuerst hinschauen soll.

Die vielen Eindrücke, die man in den alten Kajüten und Steuerhäusern, sowie durch die Vielzahl von maritimen Gegenständen wie Anker, Steuerräder, Ruderblätter und viele Gegenstände von untergegangenen oder abgewrackten Schiffen gewinnen kann, sind an dieser Stelle nicht in Worte zu fassen. Auch aus dem großen Spektrum der Fischerei gibt es viel zu besichtigen.

Heute möchten wir, dass uns die Leser*innen einmal auf einem Rundgang über das Gelände des privaten Schifffahrtsmuseums begleiten. Starten wollen wir mit Bild 1, dem kompletten Deckshaus eines Frachtenseglers.

Bild 1: Komplettes Deckshaus eines Frachtenseglers

Auf diesen alten Segelschiffen stand die Kajüte des Kapitäns oder des Steuermanns an Deck der Schiffe und wurde deshalb "Deckshaus" genannt. Später wurden dann auch die Kombüse oder der Lastenraum dort platziert. Die Enge des hier nachgebauten Deckshauses ist beeindruckend. Aber vergessen Sie bitte nicht, dass es im Vergleich zum Mannschaftslogie komfortabel war. Dort mussten sich 4 bis 6 Seeleute einen Raum in dieser Größe teilen.

Bilder 2 und 3: Ehemaliger Arbeits- und Aufenthaltsraum im Deckshaus

Es folgt das Haus auf Bild 4 mit der Ausstellung von Gegenständen, Bildern, Fotos und Dokumentationen.

Bild 4

Alles stammt vorwiegend aus der pommerschen Heimat von Kurt F., Viele Dinge von Flucht und Vertreibung im Jahr 1945 sind hier ausgestellt. Kurt war bis 1944 mit der Seequatze JOHANNES in der gesamten Ostsee unterwegs und hat Fisch aufgekauft und transportiert. Mit diesem Schiff ist er dann mit seiner ganzn Familie im Frühjahr 1945 vor der anrückenden Roten Armee aus Pommern geflüchtet. Auf Bild 6 ist das Original-Steuerhaus des im April 2007 im Laboer Yachthafen Baltic Bay abgebrannten Laboer Fischkutters "ALBERT SCHWEITZER" zu sehen. Der Original Steven – ein Geschenk von Elmar Fuchs – steht ebenfalls auf dem Gelände und kann besichtigt werden.

Bilder 5, 6 und 7: Blick auf den Steuerstand und in den hinteren Bereich des Deckshauses

In dem weitläufigen Gelände findet man viele Einzelgegenstände mit teilweise historischem Wert.

  • Original Netzwinde von einem der letzten Laboer Fischkutter (LAB 2) STRANDE VON LABOE
  • Däken eine im Wasser treibende Fischkiste zur Langerhaltung des lebenden Fangs
  • Alter dänischer Schiffsofen
  • Ruder eines ca. 20 Meter langen Seefahrtkreuzers aus den 20-er Jahren
  • Stapellauf - Keile einer Kieler Werft
  • Original Kielbohle des Marstal Schoners BONAVISTA
  • Ruderblatt eines Fischkutters aus dem Ringkøbing Fjord

Bild 8: Schiffsschraube eines Fischkutters und verschiedene Anker

  • Niedergang auf dem Vorschiff einer dänischen Galeasse
  • Bodenwrange aus dem Vorschiff eines Esbjerg – Kutters
  • Original – Anker des Kümos ILSE
  • Viele kennen die HILLI -das Ruderboot vor der Fischküche Laboe -

Auf dem Bild 9 ist das Vorgängerboot HARRY, ursprünglich ein Laboer Fischerboot oder Ruderprahm (mit Plattboden) zu sehen

Bild 9: Ehemaliges Fischerboot HARRY

Die auf dem Bild 10 aufgestellten Holzstangen stellen die Basis für ein sogenanntes Biike-Feuer dar. Es ist lediglich ein Modell und es nicht vorgesehen, dass es mal angezündet wird. Die Biike- oder heute Bake-Feuer genannt, waren die ersten Seezeichen an den Küsten.

Bild 10

Nach einer alten Tradition in Schleswig Holstein dienten die Biike-Feuer am 21. Februar der Verabschiedung der Walfänger. Die Frauen zündeten die Feuer entlang des Strandes an, um den fahrenden Männern noch lange sicheres Geleit zu geben. Einer Sylter Legende nach galt dieses Signal gleichfalls den dänischen Männern auf dem Festland und sollte ihnen vermitteln, dass die Inselfrauen nun wieder allein auf dem Hof waren und Hilfe bei der Arbeit und „anderen Dingen“ benötigten.

Eine ganz eigene Abteilung ist die Werkstatt für Buddelschiffe mit den vielen, im Laufe der Jahre mit sehr viel Geschick und großem Zeitaufwand, hergestellten und teilweise preisgekrönten Modellen. Vom einfachen Kutter bis zum 5-Mast Vollschiff, alles ist dabei und kann bestaunt werden. Hierüber können wir in einem der nächsten Berichte mal ausführlich berichten.

Zum Abschluss zeigen wir auf Bild 11 noch eine Sitzbank, die aus gesammeltem Treibholz gebaut wurde. Kalli hat sie von seinem Nachbarn und Mitsegler Torsten für sein Ausstellungsgelände bekommen.

Bild 11

In diesem Bericht konnte nur ein Teil der umfangreichen Ausstellungsstücke beschrieben werden. Wen es interessiert, kann einen Termin für eine persönliche, ca. 2-stündige Führung (auch kleine Gruppen sind möglich) direkt vereinbaren.

Kontaktadresse:
Karl-Christian Fleischfresser
Telefon: 04343 – 7772
Tipp für Vermieter von FeWo’s:
„Könnte auch etwas für Ihre Gäste sein“!

Text und Fotos: Heinz Bisping (nach Interview mit K.-C. Fleischfresser)