OSL im Juni 2020

Liebe Leser der aktuellen OSL-Informationen!

Was liegt an?

Ja, wenn man das so genau wüsste. Oder blickt Ihr noch so ganz richtig durch bei den mehrfach am Tag auf allen Kanälen einlaufenden Informationen zu SARS-CoV-2 und CoViD-19, zusammengefasst unter dem Begriff Corona-Krise? Wie viele Menschen aus wie vielen Haushalten dürfen sich denn nun wie, wo und mit welchem räumlichen Abstand treffen? Und was dürfen sie dann gemeinsam tun? Wir von OSL wissen es auch nicht genau - und deshalb halten wir weiterhin unser Vereinsheim geschlossen, führen weder Sitzungen noch sonstige Veranstaltungen durch, und wir halten uns an die Vereinbarungen zur Eindämmung dieser Pandemie! Schließlich wollen wir doch nicht irgendwann alle so rumlaufen müssen, wie unser maskierter Restaurierer auf dem Bild 4.

Mit den besten Wünschen für Eure Gesundheit grüßt
Jens Zywitza, 1. Vorsitzender von OSL e.V.

Blick achteraus

Restaurierung eines klassischen Langkielers – der RAV

Bekannt ist „Ole Schippn Laboe (OSL)“ ja für seine erfolgreiche aktive Jugendarbeit, z. B. die alljährlichen Segelabenteuer mit den Laboer Schulkindern auf der holländischen Tjalk DE ALBERTHA, die in diesem Jahr leider ausfallen mussten, oder die zahlreichen Aktivitäten im Rahmen des Jugendprojekts „3ineinemBoot“, die gemeinsam mit dem LRV und YCLa durchgeführt werden. Heute möchten wir mal etwas über das zweite Standbein unseres Vereins berichten: dem Erhalt und der Restaurierung traditioneller Boote.

Vorgestellt wird unser hübscher Day Sailer RAV

Das glänzende RAV-Heck – ein klassischer Langkieler vom Typ BB17 aus dem Jahr 1964

“RAV” ist norwegisch und heißt “Bernstein”. Und genauso sieht sie aus: ein toller klassischer Langkieler vom Typ BB17 aus feinstem Mahagoni mit der typischen, glänzenden Bernsteinfärbung. Sieht man von den etwas kürzeren Überhängen der BB17 ab, erinnert sie in ihrem Linienverlauf, der Anordnung des Cockpits und der Maststellung etwas an das elegante Einheitskielboot Drachen.

Der Rumpf besteht aus 11/16‘‘ (ca. 17 mm) verleimten Mahagoni und wurde über eingebogene Eichenspanten karweel geplankt, d. h. mit glattem Rumpf im Gegensatz zur Klinkerbeplankung eines Folkeboots. Steven und Kiel sind ebenfalls aus Eiche. Das Deck besteht aus 5/16“ Mahagoni-Bootsbausperrholz.

Konstruiert und gebaut wurde sie 1964 auf der „Borge Bringsværd’s Verft“ in Drøbak, Norwegen. Mit einer Länge von 7,30 m, Breite 2,05 m, Tiefgang 1,05 m und einem Gesamtgewicht von 950 kg ist die RAV auf einem gebremsten PKW-Anhänger noch gut trailerbar.

Im Jahr 2001 haben die Vorbesitzer diese Yacht dem Verein zu treuen Händen als Spende überlassen, weil sie selber nicht mehr die Zeit hatten, sich ausreichend darum zu kümmern. Seitdem wird sie von OSL-Mitgliedern gehegt und gepflegt. Um die Zuständigkeiten zum Unterhalt der RAV klar zu regeln, wurde innerhalb des Vereins eine Patenorganisation eingerichtet. Die Paten kümmern sich um die Pflege des Bootes und um den Segelbetrieb.

Erst wird der alte Lack angeschliffen …

… dann wird neu lackiert

Um den klassischen Look dieser schönen Yacht zu erhalten, besteht die übliche Winterarbeit darin, Rumpf, Deck und Aufbauten fein anzuschleifen und anschließend frisch zu lackieren. Diese Arbeiten müssen jährlich durchgeführt werden, um einen ausreichenden UV- und Witterungsschutz zu erzielen. Jedes Jahr im Frühjahr, sobald die Sonne das Winterlager langsam wieder etwas aufwärmt, rücken die Paten mit Kind und Kegel an, um sich an die Arbeit zu machen, damit die RAV zum Start der Segelsaison wieder in frischem Mahagoni-Glanz zu Wasser gelassen werden kann. Meist war dies innerhalb weniger Wochenenden erledigt.

Am Ende der Segelsaison 2017 zeichnete sich allerdings ab, dass diesmal deutlich mehr Arbeit auf uns wartete. Auffällig war, dass beim Segeln immer wieder etwas Wasser in die Bilge lief. Anna, die Tochter einer der Patenfamilien, meinte plötzlich während eines Segeltörns, als sich die RAV in einer Windbö ordentlich auf die Seite legte: „Papa, guck mal, da läuft Wasser in das Boot“. Das war noch nicht dramatisch, sollte aber natürlich nicht so sein. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass einige Plankennähte knapp oberhalb der Wasserlinie undicht geworden sind. Der Zahn der Zeit ließ den in den 60er Jahren verwendeten Leim soweit altern, dass er an vielen Stellen die Planken nicht mehr zusammenhält. Sobald sich das Boot auf die Seite legt, kann dort dann Wasser durch den Rumpf eindringen.

Die schnelle Methode, den Rumpf mit harzgetränkten Glasfasermatten, einem sogenannten „Leichenhemd“, zu laminieren und so abzudichten, kam für uns nicht in Frage. Alternativ haben wir uns zum Ausleisten der Plankenfugen entschieden, um den Rumpf wieder dicht zu bekommen. Allerdings ist diese Methode mit hohem Aufwand verbunden und erfordert verschiedene spezielle Arbeitsschritte und Techniken, die uns als Nicht-Profis doch gehörigen Respekt einflößten. Nach intensiver Recherche in Fachbüchern und im Internet sowie Tipps gleichgesinnter Holzbootliebhaber haben wir uns schließlich dann doch an diese Herausforderung herangetraut.

Für das Ausleisten wird eine Nut entlang der Plankennaht so breit ausgefräst, dass an beiden Planken eine saubere Schnittkante entsteht. In diese Nut werden passgenau vorbereitete, 4 mm starke Holzleisten mit Epoxidharz eingeklebt.

Die Verwendung des Zweikomponenten-Expoxid-Klebers erfordert eine gute Arbeitsvorbereitung, weil das Gemisch nur eine begrenzte Topfzeit von ca. 10 min hat. Es kommt darauf an, immer nur so viel anzumischen, wie man innerhalb der angegebenen Topfzeit verarbeiten kann, ohne dass die unverbrauchte Mischung schon aushärtet.

Für ein optimales Ergebnis sollte der Kleber bei Temperaturen von 15-25°C verarbeitet werden. Wenn es zu kalt ist, lassen sich die beiden Komponenten Harz und Härter nicht gut genug mischen. Das schränkt die Terminplanung für die Ausführung dieser Klebearbeiten doch sehr ein, weil man darauf warten muss, bis sich das Winterlager wieder auf die Minimaltemperatur zur Verarbeitung des Klebers erwärmt hat. Erfahrungsgemäß erfolgt dies nach dem Winter meist sehr spät im Frühjahr.

Bei längerer Arbeit mit dem Epoxidharz ist eine angemessene Schutzausrüstung angesagt

Zum Fräsen, oder besser gesagt zum Schneiden, eignet sich am besten eine sog. „Lamellofräse“ (Flachdübelfräse) oder Schattenfugensäge. Das Schneidwerkzeug ist dabei ein kleines Kreissägeblatt mit einer Schnittbreite von 4 mm. Die Maschine wird entlang einer Leiste geführt, die unter der zu fräsenden Naht mit kleinen Holzschrauben temporär am Rumpf befestigt ist. Um die offene Plankennaht möglichst zentriert ausfräsen zu können, muss die Führungsleiste exakt ausgerichtet sein.

Die Fugen und die Nahtleisten werden mit der Epoxidharz-Härtermischung mit einem Pinsel eingestrichen. Das Harz zieht in das trockene Holz ein und bildet so den idealen Haftgrund für die eigentliche Klebemischung. Diese wird aus Harz, Härter und einer Zugabe von Füllstoffen, z. B. Quarzmehl gemixt, die das Harz dicker (füllender) machen. Anfangs lieber etwas weniger nehmen, bis man Routine hat. Man gibt soviel Füllstoff hinzu, bis die Mischung eine majonaiseartige Konsistenz erhält.

Die ersten Nuten sind gefräst

Die angerührte Masse wird mit einem umfunktionierten Konditorspritzbeutel in die Nähte eingespritzt. Danach werden die vorbereiteten Nahtleisten in die Nut gedrückt. Da die Leisten aufgrund der Rumpfkrümmung das Bestreben haben, wieder aus der Nut zu rutschen, werden sie temporär mit Heftklammern (Tacker) fixiert. Überschüssiges Harz wird mit einem Holzspachtel entfernt. Nach Aushärtung des Klebers werden die Führungsleisten und Tacker-Klammern wieder entfernt. Die Schrauben- und Tackerlöcher werden mit Epoxi zugespachtelt.

Der Rumpf mit eingeklebten Leisten (schön geht anders)

Jetzt werden die überstehenden Leisten zunächst grob bis auf Plankenniveau heruntergefräst und gehobelt.

Katja fräst den Leistenüberstand ab

Anschließend wird der verbliebene alte Lack mit Heißluft und Farbschabern vollständig abgezogen und der Rumpf mit einem Exzenterschleifer komplett glatt geschliffen.

Der alte Lack muss runter

Für die größeren Unebenheiten startet man mit groben Schleifscheiben. Nach und nach werden immer feineren Schleifer gewählt, um eine homogene, glatte Holzoberfläche zu erzielen.

Danach kann der Anstrich wieder von Grund auf erneuert werden. Das ist ebenfalls eine Kunst für sich, weil man einerseits den tollen klassischen Look einer glänzenden Mahagoni-Lackierung wieder herstellen möchte. Andererseits soll dieser Anstrich den bestmöglichen Witterungsschutz für das edle Holz bieten. Insbesondere das Salzwasser in Kombination mit der UV-Strahlung der Sonne setzt dem Lack im Verlauf der Saison sehr zu, wodurch er jährlich erneuert werden muss. Um die schöne Optik in Kombination mit dem Holzschutz zu erreichen, wird ein hochwertiger Bootslack in mindestens sieben Schichten aufgetragen.

Mit der ersten Schicht Mahagonibeize sieht die RAV doch schon wieder ansehnlicher aus

Den Anfang macht eine abgetönte Mahagonibeize, um die Färbung der alten Beplankung und der eingesetzten Holzleisten etwas anzugleichen und die Holzmaserung hervorzuheben. Anschließend geht es weiter mit dem glänzenden Klarlack. Für die erste Schicht wird er mit 50% Verdünner versetzt, um möglichst gut in das Holz eindringen zu können. Mit jedem weiteren Anstrich wird die Verdünnung immer weiter reduziert. Die letzten drei Schichten werden unverdünnt aufgetragen. Um eine möglichst glatte und glänzende Oberfläche zu erzielen, ist jede Schicht nach dem Aushärten fein anzuschleifen.

Das nimmt natürlich einige Zeit in Anspruch. Aber das Ergebnis am Ende entschädigt für alle Mühen. Spätestens, wenn das Boot wieder zu Wasser kommt und der erste Windhauch die RAV antreibt, kann man sich zufrieden im Cockpit zurücklehnen und mit breitem Grinsen einen entspannenden Segeltörn auf diesem wunderschönen Klassiker genießen.

Die RAV in rauschender Fahrt auf der Kieler Förde

Text und Fotos: Detlef Bahr