OSL im November 2020

Liebe Leser der aktuellen OSL-Informationen!

Blick achteraus

Im nachfolgenden Bericht schildern unsere Vereinsmitglieder Barbara und Peter Diekötter, wie es zum Kauf ihrer S-Spant Segelyacht PHÖNIX gekommen ist.

Ruf doch da mal an, oder wie wir zu unserem Schiff kamen.

Es war ein Wochenende im Mai/Juni 1999. Zur Abwechslung gab es mal wieder einen Kieler Express und mehr aus Neugier, denn wirklich suchend, blätterten wir uns durch die Kleinanzeigen. Neben den „normalen“ Anzeigen wurde ein Stahlschiff angeboten, das einer Eignergemeinschaft gehörte und die sich von ihrem, wie wir später lernten, langjährigen Begleiter trennen wollten. Wir hatten beide davon gehört, dass es schwierig ist, auf einem Stahlschiff seekrank zu werden und nach längerem Zögern und Abwägen haben wir uns dann ein Herz gefasst und die Aufforderung: „Ruf doch da mal an“ umgesetzt und mit dem Inserenten Kontakt aufgenommen.

Das Schiff sei Baujahr 1951, damals bei Lindenau in Friedrichsort für einen German-Lloyd Inspektor gebaut und es wäre auch verhältnismäßig schnell zu übernehmen, einschließlich Liegeplatz bis zum Ende der laufenden Saison, hieß es am Telefon. Dazu kam, dass der aktuelle Heimathafen Möltenort wäre, also eine echte Fahrraddistanz. Die Neugier war geweckt und schon kurze Zeit später waren wir auf dem Weg. Na ja, erst mal gucken kann man ja, und verhandeln ging an dem Wochenende sowieso nicht wegen anderer Termine der Vorbesitzer.

So fing alles an, das Schiff hatte damals einen weißen Rumpf, ein himmelblau gestrichenes Laufdeck, das mit Estrich beschichtet war, ein dunkelblaues Schanzkleid und einen naturfarbenen Holzmast.

So sieht das schmucke Schiff heute aus

Neben dem deutlich positiven Deckssprung gefiel uns das Längen/Breitenverhältnis von etwa 4:1.

Wir haben dann in der folgenden Woche weitere Besichtigungstermine vereinbart und diese auch wahrgenommen. Beide unerfahren in der Bewertung und Einschätzung von Booten allgemein und von alten Stahlschiffen insbesondere, haben wir uns dann an einen Gutachter gewandt, der nach einer gründlichen Inspektion keine gravierenden Mängel aufzeigte und uns auch nicht von einem inzwischen in größere Nähe gerückten Kauf abriet.

Das sind noch klassische Baumwoll-Segel, die es in der heutigen Zeit der Hightech-Kunststoffsegel kaum noch gibt

Nach einem mehrstündigen Probesegeln und Tipps aus dem Erfahrungsschatz des Voreigners, haben wir das Schiff dann pünktlich für den zweiten Teil der laufenden Kieler Woche übernommen. Die Windjammerparade sind wir noch nicht mitgefahren, aber am Sonntag danach den ersten Trip auf eigenem Kiel auf der Förde angetreten.

Wir hatten das Schiff mit „Pött un Pann“ übernommen. Und nicht nur das, neben einem gut gefüllten Koffer mit Werkzeug waren auch etliche Segel an Bord, die wir der Reihe nach erst gefunden und dann irgendwann auch getestet haben. Es gab eine große Leichtwindgenua, noch aus Maco-Baumwolle hergestellt (die gibt es immer noch, und sie wird bei nicht zu viel Wind genutzt und mit besonderer Vorsicht behandelt, weil nicht unkaputtbar, aber wahrscheinlich unwiederbringlich).

Der Spinnaker

Die zweite Genua aus modernerem Material hat inzwischen das Zeitliche gesegnet, nachdem wir sie mehrfach vom Segelmacher hatten reparieren lassen, alles hat eben seine Zeit.

Für den Spinnaker haben wir inzwischen einen Bergeschlauch angeschafft, der es ermöglicht, auch mit kleiner Besatzung zu fahren. Den haben wir letztes Jahr auf einem Trip nach Eckernförde mal als übergroße Genua ausprobiert, d.h. ohne Spinnakerbaum und nur mit der Leeschot, es war ein guter Versuch.

Die PHÖNIX mit Spinnaker

In der Segellast haben wir auch einen so genannten „Flieger“ gefunden, ebenfalls aus Maco-Baumwolle. Zusammen mit der aus der alten Fock umgeschneiderten „Kutterfock“ gefahren gibt diese Kombination unserem Schiff einen ziemlich nostalgischen Anblick.

Die PHÖNIX beim OSL-Ansegeln vor der Lindenau Werft in Friedrichsort

Wir werden öfter angesprochen auf unseren Kajütaufbau, der, wo andere eine Sprayhood fahren, einen bei uns so genannten „R4“ hat. Dieser Name hat sich einfach so ergeben, weil eben die Form dem zu seiner Zeit recht erfolgreichen, französischen Studentenauto ziemlich nahekommt.

Das Deckshaus ähnelt der Karosserie des Renault R 4

Im Laufe der Zeit ist dann das Schiff immer mehr unsere „PHOENIX“ geworden, so haben wir jeden Sommer mindestens den Jahresurlaub auf der Ostsee verbracht, und wir werden auch zukünftig so oft wie möglich auf dem Wasser sein, schließlich kommt bald die Rente… und dann hoffentlich mit mehr Zeit.

Text: Peter Diekötter

Fotos: Peter Diekötter, Heinz Bisping