OSL im Oktober 2020

Liebe Leser der aktuellen OSL-Informationen!

Blick achteraus

Wie schon in den letzten Ausgaben haben wir auch diesmal an einen unserer Skipper appelliert, für diesen Laboe aktuell Beitrag in seinen Erinnerungen zu „kramen“ und seine Erlebnisse auf den vielen Törns in der Ostsee für unsere Leser zu schildern. Diesmal ist es unser Vereinsmitglied Johann „Hannes“ Ulm. Er hat so einige Jahre einen großen Teil seines Urlaubs und seiner Freizeit auf der Ostsee verbracht und besitzt viele tolle Videofilme aus dieser Zeit.

Zunächst ein paar allgemeine Erläuterungen. Anfang der 80er Jahre trafen sich im Raum Wolfsburg vier Segelbegeisterte „Mitt-Vierziger“ und beschlossen, zukünftig gemeinsame Segeltörns zu unternehmen. Im Sommer 1982 ging es dann zum ersten Mal los und nach 35 (!) Jahren – im Jahr 2017 – trafen sie sich unter dem Namen „Oldie Segeltörn 2017“ zum letzten Mal zu einem gemeinsamen Segelerlebnis.

Einer der Vier hatte eine Maxi 84 mit dem schönen Namen SAMANTIS, ein ideales Schiff für die geplanten Törns mit vier Mann Besatzung. Später haben sich dann alle Vier zusammengetan und eine Neptun 31, die auf den Namen WINDSPEEL 2 getauft worden ist, gekauft. Der Ausgangspunkt der Törns ist der Liegeplatz am Ausgang der Flensburger Förde in Gelting Mole. Als Segelziele wurden vorerst die Westliche Ostsee, die Dänische Südsee sowie die Schwedische Westküste vereinbart. Nach 1990 ist dann das tolle Segelrevier vor der mecklenburgischen- und der polnischen Ostseeküste dazu gekommen.

Die vier Freunde haben sich von Anfang an vorgenommen, auf ihren Törns keine Meilen zu „bolzen“, sondern ohne großen Zeitdruck das Segeln zu genießen und in den Segelpausen die schöne Umgebung der Häfen zu erkunden, um Land und Leute kennenzulernen. Jeder Törn wurde im Voraus akribisch vorbereitet. In der ersten Zeit konnte man nur mit Seekarten arbeiten. Um gerade in den Gewässern um Dänemark und Schweden keine bösen Überraschungen zu erleben, mussten diese immer auf dem der neuesten Stand sein. Dann kamen die Zeiten des Laptops und der Elektronik, aber die Karten waren trotzdem immer dabei.

Einer der vielen Video-Filme war die Vorlage für den nachfolgenden Bericht. Wir haben den Film gemeinsam angeschaut und Hannes hat viele Einzelheiten dazu erklärt, die dann in dem Bericht zusammengefasst worden sind. Es war ein Jubiläumstörn unter dem Motto 20 Jahre WRC**-Dickschiffsegeln

Der Kurs für die kommende Nachtfahrt

Dieser Törn bestand aus mehreren Etappen, über die erste von Gelting Mole nach Warnemünde werden wir nachfolgend berichten.

Mit Neptun unterwegs

Gestartet sind wir zu dieser Jubiläumstour im Spätsommer 1982. Zunächst mit dem PKW von unseren Heimatorten in Richtung Flensburg. Wir, das sind Achim, unser Vizeskipper; Hermann, der für die Navigation zuständig war und ich, Hannes, der Verantwortliche für die Besegelung. Unser Skipper Hans-Hagen war schon vorausgefahren und hat das Schiff auf die Reise vorbereitet.

In Gelting Mole angekommen, wurden Gepäck und Proviant verstaut und bald saßen wir zusammen an Bord zur Lagebesprechung. Der Skipper hatte sich schon durch den Seewetterbericht mit der zu erwartenden Wetterlage informiert. Das sah kurzfristig nicht so gut aus. Der passende Wind, den wir für den langen Törn bis Warnemünde brauchen, sollte erst am nächsten Nachmittag einsetzen. Also beschlossen wir, erst mal nur „um die Ecke“ nach Maasholm zu segeln und dort das vorhergesagte Wetter abzuwarten.

Am nächsten Tag gegen Mittag war es dann soweit, es hieß „Leinen los, wir starten nach Warnemünde“. Direkt nach Verlassen des Hafens von Maasholm wurden die Segel gesetzt und die WINDSPEEL 2 nimmt Kurs auf Schleimünde. Nach einer guten halben Stunde passieren wir den Leuchtturm und erreichen die freie See. Direkt vor uns sehen wir einen Schlepper, der einen großen Schwimmkran am Haken hat. Dieser Verband wird uns noch eine Weile begleiten.

Der Schlepper mit Schwimmkran

Jetzt heißt es Kurs ändern, die Eckernförder- und die Kieler Bucht bleiben an Steuerbord zurück und wir nehmen direkt Kurs auf den Fehmarnsund mit der denkmalgeschützten „Kleiderbügel“-Brücke. Der Wind ist günstig und wir kommen gut voran. Da es eine Nachtfahrt wird, werden die Wachen eingeteilt. Je 2 Mann am Steuerstand und 2 Mann in der Koje, alle 4 Stunden wird gewechselt, wobei sich Skipper Hans-Hagen und Vizeskipper Achim immer ablösen, d.h. einer von Beiden ist immer an der Pinne.

Vor Fehmarn wird der Wind stärker und es wird eine stürmische Fahrt durch den Fehmarnsund. Zum Glück ist die Windrichtung konstant, sodass wir keine besonderen Manöver benötigen.

Der Tag neigt sich dem Ende zu und die See ist ganz schön kabbelig

Gegen 21 Uhr ziehen sich Achim und ich in die Kojen zurück und für den Skipper Hans Hagen am Ruderstand und Hermann heißt es erhöhte Aufmerksamkeit bei dem ersten Teil dieser Nachtfahrt. Trotz der unruhigen See haben wir ein paar Stunden geschlafen. Um 1 Uhr ruft dann die Glocke zum Wachwechsel. Der Vizeskipper und ich übernehmen den zweiten Teil der Wache. Achim steuert das Schiff, beobachtet das Wetter und die Geräte und ich halte Ausschau nach eventuellen Hindernissen. Es ist wenig Betrieb auf unserem Kurs und wir kommen gut voran. Gegen 5 Uhr früh taucht dann der Leuchtturm von Warnemünde vor uns auf und unser Ziel, der neue Sportboothafen von Warnemünde ist nicht mehr weit.

Nach 76 Seemeilen in 17 Stunden - das heißt knapp 4,5 Knoten Durchschnitt – machen wir fest.

Fest in Warnemünde

Die Hafen-Gebäude sind zwar noch im Bau, aber was man schon so sieht, hier entwickelt sich etwas vom Feinsten und die ganze Anlage macht einen vielversprechenden Eindruck.

So soll es aussehen, wenn alles fertig ist

Unsere beiden Mitfahrer sind inzwischen auch wieder unter uns und wir können das erste Frühstück nach diesem langen Törn vorbereiten. Achim und ich suchen den nächsten Bäcker und kommen bald mit frischen Brötchen zurück an Bord. Dort waren die beiden anderen schon fleißig, der Kaffee ist fertig und alles was sonst noch zu einem guten Frühstück gehört, steht auf dem Tisch. Bald sitzen alle gemütlich in der Messe und lassen es sich schmecken. Natürlich dreht sich die Unterhaltung um die letzten Stunden, aber über besondere Vorkommnisse konnte niemand berichten, es ist alles glatt verlaufen. Nach dem Aufklaren des Schiffes machen wir uns fertig für den Landgang.

Hinter einer großen Natursteinmole liegt das Fahrwasser nach Rostock. Hier pendeln die Scandlines-Fährschiffe zwischen Rostock und Trelleborg und die Frachtschiffe fahren hinaus auf die Ostsee.

„Wir kommen aus Trelleborg und ……

…. wir fahren hinaus nach ????“

Um zur Flaniermeile von Warnemünde zu kommen, müssen wir mit der Fähre übersetzen. Hier, am alten Strom liegt auch der idyllische alte Hafen, an dem die Liegeplätze sehr begehrt und alle belegt sind.

Der alte Hafen in Warnemünde

Direkt von der Fähre geht‘s auf die Flaniermeile. Hier stehen viele Souvenir-, Schmuck- und Fischbuden hintereinander. Natürlich gibt es auch hier die üblichen „Schnick – Schnack“ Stände. Beim Schmuck steht Bernstein in allen Variationen an oberster Stelle. An der Fischbude mit der größten Auswahl an Räucherfisch, machen wir Station und frischen wir unser Bordproviant auf.

Die Fischbude hat eine tolle Auswahl

Da kann man als Fischesser nicht vorbeigehen

Der Weg führt uns noch bis zum Strand und dann geht’s zurück zum Yachthafen und zu unserer am Steg liegenden WINDSPEEL 2. Zum Abendessen gibt es leckeren Räucherfisch. Den Rest des Tages verbringen bei einem kühlen Getränk und nach der gestrigen, anstrengenden Nacht geht es bald in die Kojen. Am nächsten Tag steht der Törn nach Stralsund und Umgebung auf dem Plan, über den wir euch beim nächsten Mal berichten werden.

Das steht uns morgen bevor, dann geht es auf den nächsten Törn nach Stralsund

** WRC = Wolfsburger Ruder Club – Sparte Segeln

Text: Heinz Bisping

(nach einem Interview mit Johann Ulm)

Fotos: Aus dem Videofilm “Mit Neptun unterwegs”