Peter Dittmer zum Ansegeln bei Ole Schippn

Peter Dittmer, auch bekannt als Ostsee-Peter, berichtete am 14. Juni 2021 auf seinem Blog www.wir-in-laboe.de über das Ansegeln bei Ole Schippn:

"Moin Moin aus Laboe,

...heute möchte ich zunächst einmal nur von dem „Ansegeln“ des Vereins Ole Schippn Laboe eV. vom vergangenen Samstag berichten.

Los ging es um 09:30 Uhr mit einem Treffen vor dem Vereinsheim und Abgabe eines gültigen Tests bzw. entsprechender Impfbescheinigungen. Danach gings weiter zum Liegeplatz der DE ALBERTHA im Hafen, die ja von Mittwoch bis Freitag jeden Tag einen Törn mit den Kindern der Abschlussklassen der Grundschule Laboe gemacht hatte. Darüber werde ich noch einmal gesondert berichten.

Der 1. Vorsitzende des Vereins, Jens Zywitza begrüßte die Mitreisenden und freute sich natürlich, dass nach einem Jahr Ausfall durch Corona zunächst einmal 3 Kinder-Törns mit den Abschlussklassen der Grundschule mit der DE ALBERTHA dank der Unterstützung des Vereins OSL stattfinden konnten. Und auch das traditionelle „Ansegeln“ konnte nun nach der langen Pause – wenn auch mit beschränkter Teilnehmerzahl, es waren 16 Personen, 3 Crewmitglieder und 2 Bordhunde - endlich wieder stattfinden. Normalerweise sind es 24 Personen bei Mehrtages- und 30 Personen bei Eintagesfahrten.

Skipper Dick und Lotta, seiner Schiffs- und Ehefrau sah man auch an, wie glücklich sie sind, endlich wieder in See stechen zu können mit der alten Dame DE ALBERTHA. Nach der Sicherheitseinweisung ging es dann an Bord, wo uns Bootsmannsnachwuchs Marc begrüßte. Marc ist als Viertklässler aus Laboe 2012 das erste Mal mit der DE ALBERTHA in See gestochen und seit der Zeit hat ihn das Schiff nicht mehr losgelassen. Zu den Schulkindern hat er natürlich ein ganz besonderes Verhältnis, erinnern sie ihn ja jedes Jahr an seine eigene Schulzeit in Laboe. Sein Abitur hat er gerade vollendet, nun wird eine nautische Ausbildung gemacht bis es irgendwann einmal heißt: Ey, ey, Käptn.

Bevor die DE ALBERTHA den Hafen verlassen konnte mussten zunächst einmal die Segel klar gemacht werden und dann steuerte Dick wie immer den großen Frachtsegler gekonnt aus dem Hafen. Die genaue Bezeichnung für das Schiff lautet: "Groninger Einmast-Seetjalk, Plattbodenschiff, Kuttergetakelt". Gebaut 1891 in Holland, 33 Meter lang, 5,40 Meter breit, bei einem Tiefgang von nur 1,10 Metern.

Unser Mittagessen war in Marina Wendtorf bestellt, also ging es zunächst einmal Richtung Kieler Leuchtturm. Das Wetter war wechselhaft, überwiegend grau mit sonnigen Abschnitten. Aber die Stimmung an Bord war einfach toll, endlich mal wieder gemeinsam in See stechen. Zunächst ging es noch ohne Großsegel ganz gemütlich los, Dick, Lotta und Marc wollten ja die Frischgeimpften auf der Hinfahrt noch etwas schonen. Dass auf der Rückfahrt von allen voller Einsatz erforderlich war konnten wir zu dem Zeitpunkt ja noch nicht wissen.

Unterwegs haben wir dann noch den amerikanischen Truppenversorger SUPPLY getroffen, das war eines der größten Marine-Schiffe das jemals in Kiel festgemacht hat. 230 Meter lang war der graue Koloss, es ist auch eines der schnellsten Truppenversorger weltweit, 4 Gasturbinen erzeugen rund 100.000 PS und er erreicht eine Geschwindigkeit von rund 30 Knoten (55 km/h). Also das war schon ein beeindruckender Anblick und wir waren hautnah dabei.

Abenteuerlich gestaltete sich dann das Aussteigen im Hafen von Marina Wendtorf. Es gab nicht wirklich Platz für den großen Traditionssegler, also mussten wir etwas außerhalb anlegen und nur eine ganz schmale und zum Glück mitgeführte Holzplanke führte an Land. Aber mit Seilen als Handlauf und Hilfe der Crew sind wir alle von Bord gekommen, schließlich erwarteten uns dort ja leckere Fischfrikadellen mit Kartoffelsalat.

Was allerdings dann doch den einen oder anderen Schmunzler hervorrief war die Tatsache, dass die beiden Hunde partout nicht über diesen schmalen Steg wollten. Das hätte ich nun gar nicht gedacht, ich hätte vermutet, die flitzen da nur so drüber. Aber schaut mal unten die Bilder oder im Album, der Steg war tatsächlich nur etwas für Mutige oder Hungrige!!! Aber der Käptn lässt natürlich niemand zurück an Bord, also hat sich Dick die Hunde geschnappt und sie sicher an Land getragen.

Ein kurzer Fußmarsch führte uns dann zu Rönnaus Fischkutter Søgård, die legendären Dorsch-Frikadellen sind hier überall bekannt. Dazu ein frisches Kaltgetränk, so lässt es sich aushalten. Zurück an Bord das gleiche Spiel, alle wollten mit, nur die Hunde nicht. Aber zurück an Land bleibt auch niemand und so konnte Dick nach Durchzählen feststellen: Alle Mann wieder an Bord!

Der Wind hatte zwischenzeitlich aufgefrischt und nun wollten wir mal „richtig“ segeln. Aber um das Großsegel den 25 Meter hohen Mast hoch zu ziehen wird schon einiges an Muskelkraft benötigt. Kurbel drehen bis kurz zum Zusammenbruch, dann lösen die nächsten Männer ab. OK, Lotte und Marc würden das auch alleine schaffen, aber die angeblich starken Männer und tatsächlich starken Frauen wollten natürlich alle mal zum Kurbeldienst.

Und dann ging es aber ab. Ich bin ja nun schon sehr oft auf der DE ALBERTHA gesegelt, aber soviel Wind und solche Geschwindigkeit hab ich ja noch nie erlebt. Die Gischt sprühte nur so übers Deck, whow, das war segeln pur. Sagenhaft was die über 130 Jahre alte Dame noch drauf hatte. Akrobatisch auch die Mädels unter Deck beim Kaffee kochen, gerade durch den Gang zu gehen war gar nicht möglich, das war eher torkeln, dabei hatte ich doch nur ein alkoholfreies Bier zum Mittag getrunken.

Und der Wind blies so gut, da mochten wir in Laboe gar nicht abbremsen sondern haben uns bis Holtenau wehen lassen. Und erst dort haben wir gewendet und sind dann wieder Richtung Laboe gefahren. Dort gab es das nächste Problem – der Hafen war voll und am ehemaligen Holzkai konnten wir nicht mehr anlegen, weil ein anderes Schiff erwartet wurde.

Also hat Dick eine Meisterleistung vollbracht und das Schiff in Millimeterarbeit zwischen die BLAUORT und Hafenkante manövriert, das war eine absolute Meisterleistung.

Nach der Verabschiedung durch die Crew ging dann ein wunderschöner Tag zu Ende. Es war ja nicht nur das Ansegeln selber, sondern es hat uns allen innerlich wieder ein Stück Normalität zurückgegeben. Dafür ein ganz großes Dankeschön an den Verein Ole Schippn und an Dick, Lotta und Marc, ihr seid nicht nur Spitze sondern Super-Spitze.

So, das für den Montag, da es ein paar Fotos mehr geworden sind die ihr dann auch im größeren Format anschauen könnt als nachstehend, habe ich auch ein Extra-Album gemacht, ihr findet es im Fotoalbum.

Ich sage dann Tschüss bis Mittwoch,

Euer Ostsee-Peter"

(Hinweis der Redaktion: Alle im Bericht erwähnten Fotos sind auf Peters Homepage zu sehen, den Link dorthin gibt es auch unter dem Tab ÜBER UNS/Freunde)